Fandom


Zeile 1: Zeile 1:
[[Datei:Sandro_Botticelli_-_Pallas_and_the_centaur.jpg|thumb]]Die '''Kentauren''' (auch '''Zentauren''' genannt) sind Mischwesen aus Mensch und Pferd. Sie haben die Körper von Pferden, doch an der Stelle, an der bei Pferden Hals und Kopf sind, haben sie menschliche Oberkörper.
+
[[Datei:Sandro_Botticelli_-_Pallas_and_the_centaur.jpg|thumb]]Ein '''Kentaur''' (griechisch Κένταυρος ''Kentauros'', Plural Κένταυροι ''Kentauroi''; latinisiert ''Centaurus'', ''Centauri''; deutsch auch '''Zentaur''') ist ein Mischwesen der griechischen Mythologie aus Pferd und Mensch.
   
Sie sind Meister der Jagd. Aufgrund ihrer Schnelligkeit und ihrer Geschicklichkeit im Umgang mit Pfeil und Bogen oder auch mit dem Sperr hat ihre Beute kaum eine Chanche zu entwischen.
+
== Inhaltsverzeichnis ==
  +
* 1Mythos
  +
* 2Darstellung
  +
* 3Rezeption
  +
** 3.1Bildende Kunst
  +
** 3.2Belletristik
  +
* 4Sonstiges
  +
* 5Literatur
  +
* 6Weblinks
  +
* 7Einzelnachweise
   
Die ersten Zentauern werden bereits in der griechischen Mythologie erwähnt.
+
== Mythos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] ==
  +
Die Kentauren sollen von Ixion, dem König der Lapithen in Thessalien, und einer Wolke (griechisch Nephele) abstammen, der Hera auf den Rat des Zeus ihre Gestalt gegeben hatte, als sie der betrunkene Ixion bei einem Gelage der Götter belästigte. Als Ixion das Trugbild „anstach“, zeugte er damit entweder einen Bastard, den Kentauros, der sich später mit den Stuten Magnesias paarte und damit die Kentauren schuf,<sup>[1]</sup> oder aber die Kentauren entstanden direkt aus dieser Wolke.<sup>[2]</sup>
   
==Kentauren in Literatur und Film==
+
Dementsprechend werden die Kentauren als unbeherrschtes und lüsternes Volk bezeichnet, ganz im Gegensatz zu den Lapithen, die nach älterer Auffassung als Sturmdämonen beziehungsweise als Personifikationen des Sturms galten, und deren König Peirithoos von so edler Gestalt war, dass er den ebenso edlen Theseus für eine lebenslange Freundschaft gewinnen konnte.
*in den '''Chroniken von Narnia''' von C. S. Lewis (siehe [http://de.narnia.wikia.com/wiki/Zentauer Narnia-Wiki] oder im englischsprachigen [http://narnia.wikia.com/wiki/Centaur WikiNarnia])
+
In den Percy Jakson Büchern *in den '''Harry-Potter-Romanen''' von J. K. Rowling (siehe [http://de.harry-potter.wikia.com/wiki/Zentaur Harry Potter Wiki] oder im englischsprachigen [http:// harrypotter.wikia.com/wiki/Centaur Harry Potter Wiki])
+
Der Name „Kentaur“ wird unterschiedlich hergeleitet. Seine Deutung als Kombination von „ich steche“ (griechisch κεντῶ, ''kento'') und „Stier“ (ταῦρος, ''tauros'') soll darauf zurückzuführen sein, dass berittene Bewohner des Dorfes Nephele die Rinder des Ixion mit Speeren töteten, weswegen sie als „Kentauren von Nephele“ bezeichnet wurden. Die Kombination von „ich steche“ und „Wolke“ ist eine ebenfalls mögliche etymologische Deutung, weil Ixion in eine Wolke „gestochen“ hat.
  +
  +
Des Weiteren wird das Wort „Kentaur“ vom lateinischen ''centuria'' (= hundertköpfige Kriegsbande) abgeleitet. Eine Herkunft aus dem Sanskritwort ''gandharva'' wird ebenfalls diskutiert. Es bezeichnet altindische niedere Gottheiten, die in Aussehen und Charaktereigenschaften mit den Kentauren verwandt sind.
  +
  +
Die Kentauren waren die Erzfeinde der Lapithen und wurden von diesen aus Thessalien auf die Peloponnes vertrieben, als sich die Zentauren bei der Hochzeit des Königs der Lapithen, Peirithoos, „vom Wein erhitzt“ über deren Frauen hermachten. Der berühmteste Kentaur, Cheiron, stammt nicht von dem Lapithenkönig Ixion, sondern von dem Titanen Kronos ab; er war als einziger Kentaur nicht brutal und lüstern, sondern weise und gütig. Er verstand sich auf die Jagd und die Heilkunde und soll viele griechische Helden erzogen haben, etwa Achilleus und Asklepios. Der Sage nach wurde Cheiron von Zeus in ein Sternbild verwandelt.
  +
  +
Als Namen der Kentauren werden in der antiken Literatur genannt:
  +
* Asbolos
  +
* Bianor
  +
* Cheiron, der weise und gütige Erzieher vieler griechischer Helden
  +
* Elatos
  +
* Eurytion (thessalischer Kentaur)
  +
* Eurytion (arkadischer Kentaur)
  +
* Hylonome
  +
* Kyllaros
  +
* Nessos, der für den Tod des Herakles verantwortlich ist
  +
* Pholos
  +
* Thereus
  +
Weitere:
  +
{|
  +
|Abas,
  +
|Agrios,
  +
|Amphion,
  +
|Amydas,
  +
|Amykus,
  +
|Anchios,
  +
|Antimachus,
  +
|Aphareus,
  +
|Aphidas,
  +
|-
  +
|Arktus,
  +
|Areos,
  +
|Argeios,
  +
|Astylus,
  +
|Bravenor,
  +
|Bretus,
  +
|Bromus,
  +
|Chromis,
  +
|Chtonios,
  +
|-
  +
|Clanis,
  +
|Crenaeus,
  +
|Criton,
  +
|Daphnis,
  +
|Demoleon,
  +
|Diktys,
  +
|Dorpus,
  +
|Dortlas,
  +
|-
  +
|Dryalus,
  +
|Dupo,
  +
|Dynaeus,
  +
|Emmachius,
  +
|Enopion,
  +
|Erygdupus,
  +
|Eurynomus,
  +
|Eurytus,
  +
|-
  +
|Foaly,
  +
|Gryneus,
  +
|Gryphaeus,
  +
|Harmandio,
  +
|Harpagus,
  +
|Helimus,
  +
|Helops,
  +
|Hippasos,
  +
|Hippe,
  +
|-
  +
|Hippotion,
  +
|Hylaeus,
  +
|Imbreus,
  +
|Iphinous,
  +
|Isopleus,
  +
|Latreus,
  +
|Lykabas,
  +
|Lycetus,
  +
|Lykidas,
  +
|-
  +
|Lykothas,
  +
|Lykus,
  +
|Medon,
  +
|Melanchaetas,
  +
|Melaneus,
  +
|Mermerus,
  +
|Mimas,
  +
|Monychus,
  +
|Nessus,
  +
|-
  +
|Nykton,
  +
|Odites,
  +
|Oeklus,
  +
|Oreus,
  +
|Orneus,
  +
|Paeantor,
  +
|Perimedes,
  +
|Petraeus,
  +
|Phaekomes,
  +
|-
  +
|Phlegraeus,
  +
|Phryxus,
  +
|Pisenor,
  +
|Polenor,
  +
|Praxion,
  +
|Pyrakmon,
  +
|Pyretus,
  +
|Ripheus,
  +
|Rhoikos,
  +
|-
  +
|Rhoetus,
  +
|Stiphelus,
  +
|Teleboas,
  +
|Thaumas,
  +
|Theramon,
  +
|Theroktonus,
  +
|Thonius,
  +
|Thurius
  +
|  
  +
|}
  +
  +
== Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] ==
  +
Darstellung eines weiblichen Kentaurs (Hylonome) auf einem Mosaik
  +
  +
Meistens werden diese Mischwesen mit dem Kopf, dem Rumpf und den Armen eines Mannes und dem Körper und den Beinen eines Pferdes dargestellt. Seltener sind dagegen Darstellungen von Kentauren mit menschlichen Vorderfüßen, so z. B. auf dem im Louvre zu besichtigenden Vasenbild ''Herakles und der Kentaur Pholos'' (um 550 v. Chr.). Offenbar ist das bestimmende Merkmal eines Kentauren die Ausbildung von sechs Extremitäten: zwei Arme und vier Beine. Kentauren wurden auch ''magnentes'' („Große“) genannt. In späthellenistischer Zeit brachte die zeitgenössische Kunst auch weibliche Kentauren hervor, die in krassem Widerspruch zum betont maskulinen Grundcharakter dieser wilden und auch als lüstern geschilderten Wesen stehen. Ein Beispiel für einen weiblichen Kentaur ist Hylonome, Ehefrau des Kentauren Kyllaros (beides Kinder von Ixion und Nephele). Sie ist im Nationalmuseum von Bardo in Tunis auf einem aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammenden römischen Mosaik zu besichtigen.
  +
  +
Laut Robert von Ranke-Graves wurde die früheste Darstellung von Kentauren auf einem Schmuckstück aus Mykene gefunden. In der Darstellung stehen sich Kentauren gegenüber und tanzen. Der Pferdekult, bei dem Männer mit Pferdemasken tanzten, diente dazu, Regen herbeizuführen.
  +
  +
== Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] ==
  +
  +
=== Bildende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] ===
  +
In der Kunst der Spätantike kommen antike Mischwesen nicht vor. Erst in der Romanik erleben sie eine Wiederauferstehung; sie symbolisieren das heidnisch Wilde, Ungezähmte und Sündige. Seit der Gotik verschwinden die bereits von Bernhard von Clairvaux in der um 1125 entstandenen und an Cluny gerichteten ''Apologia'' als „lächerliche Mißgeburten“ charakterisierten Kreaturen wieder für Jahrhunderte aus dem Repertoire der Künstler.<sup>[3]</sup>
  +
  +
Eine neuzeitliche plastische Darstellung eines Kentauren steht auf dem Marktplatz in Frohburg (Sachsen). Die Plastik aus Bronzeguss zeigt einen Kentauren, der mit einem Drachen kämpft. Die Figurengruppe sollte im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden, sie wurde jedoch nach Kriegsende zufällig in einem Garten in Leipzig wiedergefunden. Seitdem ziert sie wieder den Brunnen auf dem Frohburger Marktplatz. Aus derselben Epoche stammt der Zentaurenbrunnen in Bremen, der den Kampf mit einer Riesenschlange zeigt.
  +
  +
Die monumentale Marmorgruppe des klassizistischen Künstlers Antonio Canova von 1805–1819 wurde von Napoleon Bonaparte für den Corso in Mailand in Auftrag gegeben. Nach dem Sturz des französischen Kaisers (1815) wurde sie auf Veranlassung Franz’ I. nach Wien gebracht und steht dort heute im Kunsthistorischen Museum.<sup>[4]</sup>
  +
* romanisches Kapitell mit Sirenen und Kentauren, Santiuste de Pedraza, Provinz Segovia, Spanien 
  +
* löwenartiger Kentaur auf einem romanischen Fresko in St. Jakob in Kastelaz, Südtirol 
  +
* Kampf des Kentauren gegen einen Drachen
  +
Barockbrunnen auf dem Marktplatz von Frohburg, 1899 
  +
* ''Theseus besiegt den Centauren''
  +
Antonio Canova, 1805–1819, Kunsthistorisches Museum von Wien 
  +
* ''Kampf der Kentauren''
  +
(Arnold Böcklin, 1873, Kunstmuseum Basel) 
  +
* Zentaurenbrunnen von 1891 in Bremen 
  +
* Centaur in der Dorfschmiede von Arnold Böcklin
  +
  +
=== Belletristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] ===
  +
''Karikatur auf den Oberaufseher Leutnant Johann Nieß''
  +
Joseph Anton Koch, Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart
  +
* In Paul Heyses ''Der letzte Zentaur'' erscheint ein solcher auf einem Tiroler Volksfest, nachdem er jahrhundertelang in einem Gletscher eingefroren war. Beim schönen Geschlecht findet er Anklang, bei den Burschen und bei der Geistlichkeit weniger. Am Ende entschwindet er mit einer feschen Kellnerin auf dem Rücken wieder in die Berge. (1904)
  +
* In den ''Chroniken von Narnia'' von C. S. Lewis tauchen Kentauren als Teil der Streitmacht unter der Führung des göttlichen Löwen Aslan auf. (1950)
  +
* In der Gäa-Trilogie (1979...1984) von John Varley sind die Titaniden zentaurenähnliche Kreaturen.
  +
* In Michael Endes ''Die unendliche Geschichte'' sorgt ein Kentaur namens Caíron dafür, dass das Amulett ''Auryn'' dem jungen Atréju übergeben wird. Mit seinem Namen ist dieser Kentaur eine Paraphrase auf den mythologischen Cheiron. (1979)
  +
* In den Romanen der englischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling um den Zauberlehrling Harry Potter kommen ebenfalls Kentauren vor, die im Wald um die Zauberschule Hogwarts leben. Hier jedoch werden sie nicht als lüsterne Kreaturen beschrieben, sondern als stolze Mischwesen, welche sogar in der Lage sind, die Sterne zu deuten. Fühlen sie sich in ihrem Stolz verletzt, neigen sie zu jähzorniger Wildheit. (1997)
  +
* In den Fantasy-Büchern zu Percy Jackson von Rick Riordan, welche stark von der griechischen Mythologie beeinflusst werden, leben Kentauren unter anderem im ''Camp Half-Blood''.
  +
* In der Romanserie ''Artemis Fowl'' ist der Kentaur Foaly der Technische Leiter der „Zentralen Untergrundpolizei“. (2001)
  +
* In der Romanreihe ''Die Elfen'' von Bernhard Hennen gehören Kentauren zu den Albenvölkern und leben in Albenmark. (2004)
  +
* In den ''Waldsee-Chroniken'' von Uschi Zietsch gehören die Velerii (Pferdemenschen) zu den mächtigsten Völkern Waldsees. Ihr Schöpfer ist der erste Gott Lúvenor. Zu den bekanntesten Velerii zählen Schneemond und Schattenläufer – die Hüter von Weideling und Muhmen des jugendlichen Protagonisten Rowarn. (2008)
  +
* In ''Tales of Partholon'' von Phyllis Christine Cast sind viele der wichtigsten Personen Zentauren. (2011)
  +
* In der seit 1961 herausgegebenen Heftroman-Reihe ''Perry Rhodan'' gehören die Kentauren neben den Ur-Neandertalern, den Zyklopen und den wasserbewohnenden Argazaten zu den von Takerern/Cappins künstlich erzeugten Wesen, die vor 51.000 Jahren gegen die „Erste Menschheit“ auf dem fiktiven Kontinent Lemuria kämpften.
  +
* Im Roman ''Die Gelehrtenrepublik'' von Arno Schmidt besucht der Ich-Erzähler Charles Henry Winer Menschen, die nach einem Atomkrieg zu Kentauren mutiert sind. (1957)
 
[[Kategorie:Menschenartige]]
 
[[Kategorie:Menschenartige]]
 
[[Kategorie:Mischwesen]]
 
[[Kategorie:Mischwesen]]

Version vom 23. Oktober 2019, 08:55 Uhr

Sandro Botticelli - Pallas and the centaur
Ein Kentaur (griechisch Κένταυρος Kentauros, Plural Κένταυροι Kentauroi; latinisiert CentaurusCentauri; deutsch auch Zentaur) ist ein Mischwesen der griechischen Mythologie aus Pferd und Mensch.

Inhaltsverzeichnis

  • 1Mythos
  • 2Darstellung
  • 3Rezeption
    • 3.1Bildende Kunst
    • 3.2Belletristik
  • 4Sonstiges
  • 5Literatur
  • 6Weblinks
  • 7Einzelnachweise

Mythos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kentauren sollen von Ixion, dem König der Lapithen in Thessalien, und einer Wolke (griechisch Nephele) abstammen, der Hera auf den Rat des Zeus ihre Gestalt gegeben hatte, als sie der betrunkene Ixion bei einem Gelage der Götter belästigte. Als Ixion das Trugbild „anstach“, zeugte er damit entweder einen Bastard, den Kentauros, der sich später mit den Stuten Magnesias paarte und damit die Kentauren schuf,[1] oder aber die Kentauren entstanden direkt aus dieser Wolke.[2]

Dementsprechend werden die Kentauren als unbeherrschtes und lüsternes Volk bezeichnet, ganz im Gegensatz zu den Lapithen, die nach älterer Auffassung als Sturmdämonen beziehungsweise als Personifikationen des Sturms galten, und deren König Peirithoos von so edler Gestalt war, dass er den ebenso edlen Theseus für eine lebenslange Freundschaft gewinnen konnte.

Der Name „Kentaur“ wird unterschiedlich hergeleitet. Seine Deutung als Kombination von „ich steche“ (griechisch κεντῶ, kento) und „Stier“ (ταῦρος, tauros) soll darauf zurückzuführen sein, dass berittene Bewohner des Dorfes Nephele die Rinder des Ixion mit Speeren töteten, weswegen sie als „Kentauren von Nephele“ bezeichnet wurden. Die Kombination von „ich steche“ und „Wolke“ ist eine ebenfalls mögliche etymologische Deutung, weil Ixion in eine Wolke „gestochen“ hat.

Des Weiteren wird das Wort „Kentaur“ vom lateinischen centuria (= hundertköpfige Kriegsbande) abgeleitet. Eine Herkunft aus dem Sanskritwort gandharva wird ebenfalls diskutiert. Es bezeichnet altindische niedere Gottheiten, die in Aussehen und Charaktereigenschaften mit den Kentauren verwandt sind.

Die Kentauren waren die Erzfeinde der Lapithen und wurden von diesen aus Thessalien auf die Peloponnes vertrieben, als sich die Zentauren bei der Hochzeit des Königs der Lapithen, Peirithoos, „vom Wein erhitzt“ über deren Frauen hermachten. Der berühmteste Kentaur, Cheiron, stammt nicht von dem Lapithenkönig Ixion, sondern von dem Titanen Kronos ab; er war als einziger Kentaur nicht brutal und lüstern, sondern weise und gütig. Er verstand sich auf die Jagd und die Heilkunde und soll viele griechische Helden erzogen haben, etwa Achilleus und Asklepios. Der Sage nach wurde Cheiron von Zeus in ein Sternbild verwandelt.

Als Namen der Kentauren werden in der antiken Literatur genannt:

  • Asbolos
  • Bianor
  • Cheiron, der weise und gütige Erzieher vieler griechischer Helden
  • Elatos
  • Eurytion (thessalischer Kentaur)
  • Eurytion (arkadischer Kentaur)
  • Hylonome
  • Kyllaros
  • Nessos, der für den Tod des Herakles verantwortlich ist
  • Pholos
  • Thereus

Weitere:

Abas, Agrios, Amphion, Amydas, Amykus, Anchios, Antimachus, Aphareus, Aphidas,
Arktus, Areos, Argeios, Astylus, Bravenor, Bretus, Bromus, Chromis, Chtonios,
Clanis, Crenaeus, Criton, Daphnis, Demoleon, Diktys, Dorpus, Dortlas,
Dryalus, Dupo, Dynaeus, Emmachius, Enopion, Erygdupus, Eurynomus, Eurytus,
Foaly, Gryneus, Gryphaeus, Harmandio, Harpagus, Helimus, Helops, Hippasos, Hippe,
Hippotion, Hylaeus, Imbreus, Iphinous, Isopleus, Latreus, Lykabas, Lycetus, Lykidas,
Lykothas, Lykus, Medon, Melanchaetas, Melaneus, Mermerus, Mimas, Monychus, Nessus,
Nykton, Odites, Oeklus, Oreus, Orneus, Paeantor, Perimedes, Petraeus, Phaekomes,
Phlegraeus, Phryxus, Pisenor, Polenor, Praxion, Pyrakmon, Pyretus, Ripheus, Rhoikos,
Rhoetus, Stiphelus, Teleboas, Thaumas, Theramon, Theroktonus, Thonius, Thurius   

Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung eines weiblichen Kentaurs (Hylonome) auf einem Mosaik

Meistens werden diese Mischwesen mit dem Kopf, dem Rumpf und den Armen eines Mannes und dem Körper und den Beinen eines Pferdes dargestellt. Seltener sind dagegen Darstellungen von Kentauren mit menschlichen Vorderfüßen, so z. B. auf dem im Louvre zu besichtigenden Vasenbild Herakles und der Kentaur Pholos (um 550 v. Chr.). Offenbar ist das bestimmende Merkmal eines Kentauren die Ausbildung von sechs Extremitäten: zwei Arme und vier Beine. Kentauren wurden auch magnentes („Große“) genannt. In späthellenistischer Zeit brachte die zeitgenössische Kunst auch weibliche Kentauren hervor, die in krassem Widerspruch zum betont maskulinen Grundcharakter dieser wilden und auch als lüstern geschilderten Wesen stehen. Ein Beispiel für einen weiblichen Kentaur ist Hylonome, Ehefrau des Kentauren Kyllaros (beides Kinder von Ixion und Nephele). Sie ist im Nationalmuseum von Bardo in Tunis auf einem aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammenden römischen Mosaik zu besichtigen.

Laut Robert von Ranke-Graves wurde die früheste Darstellung von Kentauren auf einem Schmuckstück aus Mykene gefunden. In der Darstellung stehen sich Kentauren gegenüber und tanzen. Der Pferdekult, bei dem Männer mit Pferdemasken tanzten, diente dazu, Regen herbeizuführen.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kunst der Spätantike kommen antike Mischwesen nicht vor. Erst in der Romanik erleben sie eine Wiederauferstehung; sie symbolisieren das heidnisch Wilde, Ungezähmte und Sündige. Seit der Gotik verschwinden die bereits von Bernhard von Clairvaux in der um 1125 entstandenen und an Cluny gerichteten Apologia als „lächerliche Mißgeburten“ charakterisierten Kreaturen wieder für Jahrhunderte aus dem Repertoire der Künstler.[3]

Eine neuzeitliche plastische Darstellung eines Kentauren steht auf dem Marktplatz in Frohburg (Sachsen). Die Plastik aus Bronzeguss zeigt einen Kentauren, der mit einem Drachen kämpft. Die Figurengruppe sollte im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden, sie wurde jedoch nach Kriegsende zufällig in einem Garten in Leipzig wiedergefunden. Seitdem ziert sie wieder den Brunnen auf dem Frohburger Marktplatz. Aus derselben Epoche stammt der Zentaurenbrunnen in Bremen, der den Kampf mit einer Riesenschlange zeigt.

Die monumentale Marmorgruppe des klassizistischen Künstlers Antonio Canova von 1805–1819 wurde von Napoleon Bonaparte für den Corso in Mailand in Auftrag gegeben. Nach dem Sturz des französischen Kaisers (1815) wurde sie auf Veranlassung Franz’ I. nach Wien gebracht und steht dort heute im Kunsthistorischen Museum.[4]

  • romanisches Kapitell mit Sirenen und Kentauren, Santiuste de Pedraza, Provinz Segovia, Spanien 
  • löwenartiger Kentaur auf einem romanischen Fresko in St. Jakob in Kastelaz, Südtirol 
  • Kampf des Kentauren gegen einen Drachen

Barockbrunnen auf dem Marktplatz von Frohburg, 1899 

  • Theseus besiegt den Centauren

Antonio Canova, 1805–1819, Kunsthistorisches Museum von Wien 

  • Kampf der Kentauren

(Arnold Böcklin, 1873, Kunstmuseum Basel) 

  • Zentaurenbrunnen von 1891 in Bremen 
  • Centaur in der Dorfschmiede von Arnold Böcklin

Belletristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karikatur auf den Oberaufseher Leutnant Johann Nieß Joseph Anton Koch, Graphische Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart

  • In Paul Heyses Der letzte Zentaur erscheint ein solcher auf einem Tiroler Volksfest, nachdem er jahrhundertelang in einem Gletscher eingefroren war. Beim schönen Geschlecht findet er Anklang, bei den Burschen und bei der Geistlichkeit weniger. Am Ende entschwindet er mit einer feschen Kellnerin auf dem Rücken wieder in die Berge. (1904)
  • In den Chroniken von Narnia von C. S. Lewis tauchen Kentauren als Teil der Streitmacht unter der Führung des göttlichen Löwen Aslan auf. (1950)
  • In der Gäa-Trilogie (1979...1984) von John Varley sind die Titaniden zentaurenähnliche Kreaturen.
  • In Michael Endes Die unendliche Geschichte sorgt ein Kentaur namens Caíron dafür, dass das Amulett Auryn dem jungen Atréju übergeben wird. Mit seinem Namen ist dieser Kentaur eine Paraphrase auf den mythologischen Cheiron. (1979)
  • In den Romanen der englischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling um den Zauberlehrling Harry Potter kommen ebenfalls Kentauren vor, die im Wald um die Zauberschule Hogwarts leben. Hier jedoch werden sie nicht als lüsterne Kreaturen beschrieben, sondern als stolze Mischwesen, welche sogar in der Lage sind, die Sterne zu deuten. Fühlen sie sich in ihrem Stolz verletzt, neigen sie zu jähzorniger Wildheit. (1997)
  • In den Fantasy-Büchern zu Percy Jackson von Rick Riordan, welche stark von der griechischen Mythologie beeinflusst werden, leben Kentauren unter anderem im Camp Half-Blood.
  • In der Romanserie Artemis Fowl ist der Kentaur Foaly der Technische Leiter der „Zentralen Untergrundpolizei“. (2001)
  • In der Romanreihe Die Elfen von Bernhard Hennen gehören Kentauren zu den Albenvölkern und leben in Albenmark. (2004)
  • In den Waldsee-Chroniken von Uschi Zietsch gehören die Velerii (Pferdemenschen) zu den mächtigsten Völkern Waldsees. Ihr Schöpfer ist der erste Gott Lúvenor. Zu den bekanntesten Velerii zählen Schneemond und Schattenläufer – die Hüter von Weideling und Muhmen des jugendlichen Protagonisten Rowarn. (2008)
  • In Tales of Partholon von Phyllis Christine Cast sind viele der wichtigsten Personen Zentauren. (2011)
  • In der seit 1961 herausgegebenen Heftroman-Reihe Perry Rhodan gehören die Kentauren neben den Ur-Neandertalern, den Zyklopen und den wasserbewohnenden Argazaten zu den von Takerern/Cappins künstlich erzeugten Wesen, die vor 51.000 Jahren gegen die „Erste Menschheit“ auf dem fiktiven Kontinent Lemuria kämpften.
  • Im Roman Die Gelehrtenrepublik von Arno Schmidt besucht der Ich-Erzähler Charles Henry Winer Menschen, die nach einem Atomkrieg zu Kentauren mutiert sind. (1957)
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.